Migration ist kein Motiv

Vor knapp fünf Jahren erschütterte uns der Tod von Dominik Brunner. Auf einem Münchener S-Bahnhof versuchte der 50-Jährige einen Streit zu schlichten und wurde dabei selbst zum Opfer. „Die Welt“ wies anschließend in einem Artikel darauf hin, dass die jugendlichen Täter „Deutsche Staatsbürger ohne Migrationshintergrund“ seien. Ist es schon so weit gekommen, dass wir darauf hinweisen müssen, wenn Straftäter keinen Migrationshintergrund haben?

Wenn Sie die Überschrift „Jugendliche verprügeln couragierten Mann“ lesen, haben Sie dann ein Bild der Täter vor Augen, ohne zu wissen, ob sie Deutsche, Schweden oder Türken sind? Migranten sind ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft, sie tragen zu der Entwicklung unserer Kultur und nicht zuletzt unserer Wirtschaft bei. Trotzdem sind Vorurteile gegen Migranten in unserem Land verbreitet. Aber es ist nicht der Migrationshintergrund der Menschen zu Tätern macht. Viel eher sind es mangelnde Integration, schlechte Schulbildung, soziale Benachteiligung oder Gewalterfahrungen in der Familie, die einen Menschen zu einer Straftat treiben.

Abgesehen von kulturell oder religiös motivierten Straftaten, wie etwa Zwangsheirat und Ehrenmord, sowie Verstößen gegen das Aufenthalts- oder Asylrecht, die nur von Nichtdeutschen begangen werden können, spielt die Herkunft des Täters keine Rolle. Und wenn der Migrationshintergrund nicht relevant ist, muss er in der Presse auch nicht erwähnt werden. Als Journalisten sind wir mitverantwortlich für die gefühlte Wirklichkeit der Bevölkerung. Dadurch, dass wir etwas sagen, verändern wir die Realität – behauptet der Philosoph Jürgen Habermas. In diesem Fall verändern wir die Realität dadurch, dass wir etwas nicht sagen.

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